Güni Noggler
Geb. 1962, Schwaz, Tirol, Austria
Romane, Kurzgeschichten, Gedichte, Radio, Videos, Theater, Workshops, Performances, Einzelausstellungen (Bilder, Skulpturen, Texte, Installationen).
Lesungen und Workshops im In- und Ausland.
Güni Noggler, Freundsberg
10a, 6130 SCHWAZ, AUSTRIA; Mail: gueni(a)noggler.org; Tel.:
0043 670 35 36 644
Put out Put in!
Irre Despoten (und hier ist das Gendern tatsächlich überflüssig) gehören für immer gestoppt!
... WENN ICH BEI EINER WAHL LEDIGLICH 88,5 % ERHALTE; DANN WÜRDE ICH
MICH ALS DIKTATOR VON MEINEN UNTERTANEN SOFORT UND ENDGÜTIG ZURÜCKZIEHEN!
Dornenvögel
Schleichende Veränderungen werden dann akzeptiert, wenn man sie im Grunde genommen überhaupt nicht bewusst bemerkt. Das dafür erforderliche Tempo der Anpassung ist derart langsam, dass die Notwendigkeit neuer Verhaltensweisen, oder die Änderung von Sitten und Gebräuchen gar nicht als solche wahrgenommen, sondern vielmehr als eine evolutionär gewachsene Weiterentwicklung verstanden werden. Wie auch sonst hätte die Menschheit die Eiszeiten überleben können? Die Temperaturen und die damit verbundenen und einhergehenden meteorologischen Auswirkungen ändern sich dabei ganz allmählich über Jahre, Jahrzehnte oftmals sogar Jahrhunderte. Und diese Prozesse laufen keineswegs linear ab, vielmehr werden sie immer wieder von Perioden wechselnder Temperaturen oder von Phasen einer klimatischen Konstanz begleitet. Dafür muss man kein Wissenschaftler sein, da genügt eine simple Recherche im Internet. Hat es etwa nicht schon zu Zeiten der Römer Weinbau auf der britischen Insel gegeben? War nicht die Sahara dereinst eine grünende und blühende Landschaft, voll mit Füssen, Seen und vielfältigem Leben? Oder die Fossilienfunde in der Antarktis? Das Klima hat sich schon immer verändert. Mal schneller und mal langsamer.
Natürlich darf man da den Kopf nicht in den Sand stecken, aber diese ganze Hysterie und Weltuntergangsstimmung von pubertierenden Teenagern und linkslinken Berufsjugendlichen ist einfach nur lächerlich. Lamentieren und raunzen. Damit verbessert man die Welt nicht. Denn dass es derzeit etwas wärmer wird, das hat schon der Kusanek bestätigt. Es gilt jetzt die Ärmel hoch zu krempeln und in die Zukunft zu schauen. Think big. Das scheinbar Unmögliche wagen. So wie es die Roswitha Stadlober vorgemacht hat. Kein selbstmitleidiges Jammern, weil derzeit halt einmal die Gletscher schmelzen, sondern aktiv mit etwas Positivem dagegenhalten. Verbunden mit einer großen Idee, mit einer Geschichte, mit Emotionen. Und gerade, weil diese ehemalige Skirennläuferin, diese Annemarie Moser-Pröll, von einer ‚Schnapsidee‘ gesprochen hatte, wusste Herbert K. mit absoluter Sicherheit, dass diese Idee die genau richtige Vision, zum genau richtigen Zeitpunkt war. Eine Skihalle! Ein positives, bejahendes Echo auf die sich mehrenden Sommertage, auf die sich verlängernden Vegetationszeiten, auf den Anbau von Melonen und Oliven im Burgenland.
Man muss da ganz einfach die Chancen erkennen und nutzen. Und was diese Kameltreiber in der saudischen Wüste zusammen gebracht haben, das kann für eine hochentwickelte, europäische Nation doch kein Problem darstellen. Klotzen statt kleckern. Protzen statt meckern. Nur so funktioniert es mittlerweile überall. Die zögerlichen Zauderer und ängstlichen Erbsenzähler haben sowas von ausgedient. Austrosee statt Bodensee, Tiroler Spitze statt Zugspitze, und zweisprachige Ortstafeln sind maximal etwas für Südtirol, zumindest so lange, bis er, Herbert K., dafür eine Endlösung mit der Meloni gefunden hat.
Geschichten zu erzählen, ist wie das Neue Testament zu lesen. Das hatte Herbert K. schon in der Unterstufe bemerkt. Da wird jedes dieser vier Evangelien für bare Münze genommen, ganz egal wie oft sich diese Geschichten untereinander haarsträubend widersprechen. Das sind alles nur Kinkerlitzchen.
Es geht hier einzig und allein um die Macht der Sprache. Um diese Magie der Wörter, die es vermag aus kleinen, ängstlichen Lemmingen todesverachtende Märtyrer oder blutrünstige Inquisitoren zu formen. In der Sprache bleiben wir Kinder. Lassen uns nur allzu gerne verzaubern, verführen. Die Wörter können nicht groß genug sein, die Begriffe nicht zu gewagt. Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich.
Jede Frohe Botschaft verlangt nach einem Messias. Herbert K., der Heilsbringer. Zum ersten Mal betrachtete er mit Staunen und scheuer Ehrfurcht sein Äußeres im Türspiegel des Kleiderkastens: die harten, asketischen Gesichtslinien; die stechenden Augen, denen die Brille den Nimbus des Wissenden verlieh; der Dreitagebart als Symbol der Männlichkeit; und nicht zuletzt die schmale, zehrige Gestalt eines fastenden Eremiten. Die priesterlichen Insignien eines Propheten.
Als unauslöschliches Zeichen seiner Auserwähltheit fehlte da nur mehr eine Art von Stigmata. Wie bei Pater Pio.
Es müssten für Herbert K. ja keine Wundmale sein – ein kleines Bärtchen würde allemal genügen.
Alle "Herbert Geschichten" können online im Alpenfeuilleton nachgelesen werden!